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[15.09.05, Rhein-Neckar-Zeitung]
Rückblick Grünprojekt - Mit gut besuchten Baustellen fing es an
Ergebnis des Grünprojektes 2005: Der Stadt zu neuem Glanz verholfen
Die anfängliche Skepsis schlug in Beigeisterung um / Die eigentlichen Gewinner sind die Bürgerinnen und Bürger
Der 30.April 2005 wird als großer Tag in die Ladenburger Stadtgeschichte eingehen. An diesem sonnigen Samstag gingen sicherlich einige Ladenburger Mitbürger mit einer gewissen Skepsis zur Eröffnungsveranstaltung des Grünprojekts auf die schmuck herausgeputzte Festwiese, um gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten, Günther Oettinger, den Startschuss des abwechslungsreiches Veranstaltungsjahr zu geben. Wenn am kommenden Sonntag der "Grünprojekt-Spaten" als symbolischer Akt an die nächste Grünprojektstadt, Rheinfelden, weitergereicht wird, dann können die Ladenburger eine rundum zufriedene Bilanz ziehen - die Veranstaltung "Leben und Erleben" war für Ladenburg ein absoluter Gewinn.
Zu den Gewinnern zählen in erster Linie die Bürgerinnen und Bürger der Römerstadt, die sich in ihrer Wohngemeinde noch wohler fühlen können. Noch vor zwei Jahren wirkte das Städtchen am Neckar wie ein unaufgeräumtes Zimmer, in dem zwar stilvolle und edle Möbel standen, aber eine Putzaktion kann mancher Stube neuen Glanz verleihen. Und genau dies ist in Ladenburg geschehen. Die Substanz der 1900 Jahre alten Stadt kam mit der Umsetzung des Grünprojekts wieder richtig zur Geltung. Die Ideen des Landschaftsarchitekten, Christof Luz aus Stuttgart, waren so ausgerichtet, der Stadt zu neuem Glanz zu verhelfen. Großartiges wurde bei der Zielsetzung erreicht, die vom Neckar "abgehängte" Stadt wieder an den Fluss zu bringen. Die Schaffung von Sichtachsen etwa an der Bleiche oder an der Deichwiese waren ebenfalls zukunftsweisende Veränderungen, die die Stadt noch attraktiver ja sogar liebenswerter gemacht haben. Die platzartige Umgestaltung des neuen Neckartorplatzes aber auch die chirurgische Meisterleistung mit der Umgestaltung des Hofes der Dalberg-Grundschule sind Meilensteine und zeugen von einer durchdachten Stadtpolitik. Die Stadt Ladenburg ist außerdem sicherer geworden. Die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen konnte nur im Zusammenhang mit der Grünprojektumsetzung verwirklicht werden. Die am Römerstadion entstandene Auenlandschaft steigerte den Freizeitwert der Römerstadt nochmals beträchtlich.
Am Anfang mussten sich die Stadtverantwortlichen zwar herbe Kritik wegen der erforderlichen "Abholzaktionen" in Kauf nehmen, doch dies war kein Ladenburgspezifisches Phänomen. "Wir Menschen müssen auch ab und zu zum Friseur gehen - und einen Pflegeschnitt, der manchmal radikal sein kann - braucht auch die Natur", zog Christof Luz damals einen passenden Vergleich heran, um die aufgeregten Gemüter wieder zu beruhigen. Auch Bürgermeister Ziegler und den Ratsmitgliedern blies der Wind in der Anfangszeit scharf ins Gesicht. Doch auch der Verwaltungschef betonte immer wieder, die Umbaumaßnahmen erst dann zu beurteilen, wenn sie abgeschlossen sind. Und in der Tat verstummten die Kritiker des Grünprojekts immer mehr als die positiven Entwicklungen auch sichtbar wurde. An vielen Ecken und Plätzen wurde in Ladenburg gebuddelt - doch stellte sich die Bevölkerung nun die Frage, ob die Bauarbeiten bis zur Eröffnung am 30.4. 2005 auch fertig werden. Der Bauprojektmanager für das Grünprojekt von der Stadtverwaltung, Herbert Felbek, erlebte die wohl stressigste Zeit seiner beruflichen Laufbahn. Unzählige Anregungen mussten aufgegriffen und abgestimmt werden - für die Ratschläge von den Menschen in der Stadt hatte Herbert Felbek immer ein offenes Ohr. Überhaupt war es ein positives Beispiel, wie sich die Bevölkerung schon in der Umsetzungsphase für das Grünprojekt interessierte. Die kleinen Einweihungsfeiern - z.B. an der Bleiche oder am Bury-Landungssteg - stärkten schon vor der großen Eröffnung das Bewusstsein, dass in Ladenburg etwas Nachhaltiges entstehen wird. Und immer mehr Menschen erkannten, dass das Grünprojekt ein Segen für die Römerstadt sein wird. Regelrechte Völkerwanderungen pilgerten zur neuen Auenlandschaft am Römerstadion, um die Baggerarbeiten und Bachverlegungsaktionen hautnah zu verfolgen. Eine sehr gut besuchte Baustelle war auch der Dalberg-Schulhof, der zur Grünprojekteröffnung ebenfalls pünktlich fertig wurde. Die Entscheidung, die ehemalige Kochschule als charmanten Übergang zwischen der neuen und alten Zeit zu erhalten, erwies sich als absolut richtig. Im Küchehäusel wurde nicht nur der Landestreff untergebracht sondern auch hier wurde ein nachhaltiges Konzept umgesetzt. Nach dem Grünprojekt wird das schmucke Gebäude vom Heimatbund genutzt, der nun endlich ein eigenes Vereinsdomizil nutzen kann.
Der Ladenburger Bekanntheitsgrad wurde enorm gesteigert
Zu den Gewinnern des Grünprojekts zählen zweifelsohne auch die Einzelhändler und die Gastronomiebetriebe. Auch wenn vereinzelt Kritik aufkam, dass die erwarteten Umsatzzahlen nicht erreicht wurden, bleibt festzustellen: Das Grünprojekt ließ die Kassen aller Beteiligten klingeln. Jedenfalls fast aller. Dass ausgerechnet die von der Verwaltung erhofften Absatzzahlen für den Verkauf der Dauer- und Tageskarten nicht erreicht wurden, ist einer der wenigen traurigen Umstände, die mit dem Grünprojekt in Verbindung gebracht werden können. Das Konzept, das Veranstaltungsgelände nicht einzuzäunen und stattdessen auf die Karten "Freiwilligkeit" zu setzen, war in Zeiten von "Geiz ist geil" zwar gewagt, aber durchaus richtig. Die Rechnung wurde allerdings ohne die Menschen gemacht, die freiwillig ihren Beitrag für das Grünprojekt leisten sollten. Die Verkaufszahlen wurden nur zu gut einem Viertel erreicht. Statt den erhofften 4400 Dauerkarten wurden 1100 verkauft und die statt 50.000 Einzelkarten konnten die Kartenverkäufer nur 12.500 absetzen. "Depressionen" wegen der Verkaufszahlen bekommt der Bürgermeister der Römerstadt, Rainer Ziegler, deswegen allerdings nicht. "Dies wird kein Makel auf das Grünprojekt werfen", sagte Ziegler der RNZ, der die Einnahmen zwar gerne erzielt hätte aber auch dies sei verschmerzbar. Zwar sind die Abrechnungen noch nicht abgeschlossen, doch jetzt lasse sich schon sagen, dass der vorgegebene Kostenrahmen wohl eingehalten wurde.
Datum: 15.09.2005
Verfasser: Axel Sturm
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