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[09.06.05, Rhein-Neckar-Zeitung] ›Verborgene Oasen im Hinterhof‹

Ladenburg hat viele verborgene Schätze zu bieten. Dies wissen auch die in Ladenburg wohnenden Architekten für Garten- und Landschaftsbau sowie Stadtentwicklung, Ina Große-Wilde, Werner Molitor und Jürgen Borkowski: Deswegen haben die drei Gartenschauexperten ein interessantes Führungsprogramm zusammengestellt.

Die Gäste sollen Einblick in die privaten Gärten und Höfe erhalten. "Wir wollen auf den Privatgrundstücken keine zweite Gartenschau abseits der öffentlichen Anlagen präsentieren", erläuterten Große-Wilde, Molitor und Borkowski. Ziel der Führung sind normale Gärten und Höfe, die ihre Besitzer täglich nutzen. Mit der Bereitschaft der Ladenburger Garten- und Hofbesitzer, ihre Tore für den Publikumsverkehr zu öffnen, zeigte sich das Trio recht zufrieden. Einige Besitzer kündigten im Vorfeld zwar an, sich mit interessanten Grundstücken ebenfalls an dieser Veranstaltungsreihe zu beteiligen. Als es aber konkret wurde, war die Begeisterung nicht mehr so groß.

Daher bedankten sich die Organisatoren bei den teilnehmenden Garten- und Hofbesitzern für ihre Bereitschaft, "fremden Menschen" einen Einblick in ihren Privatbereich zu gestatten. Dass solch ein Angebot ein Renner ist, lässt sich auch an der Beteiligung dieses Grünprojekt-Programmpunktes dokumentieren. Bei den bisherigen drei Führungen - elf weitere werden folgen - kamen regelmäßig über 50 Gäste. Am Ende des rund zweistündigen Rundgangs waren fast alle Teilnehmer begeistert und auch die Einheimischen hatten einige Fleckchen in ihrer Stadt entdeckt, die sie nie vermutet hätten.

Ein erster Höhepunkt war übrigens die Führung durch das Preysing‘sche Palais in der Rheingaustraße, wo Hermann Schmölzer und Linde Hollinger ihr großes Hoftor aufsperrten. Das Unternehmerehepaar hat mit dem Palais Preysing einen von vielen ehemaligen Adelshöfen erworben, um ihn zu einem Wohn- und Geschäftsraum umzugestalten. Im benachbarten Handschuhsheimer Hof im Anwesen Gackstatter konnten die Gäste sehen, welch riesige Grundstücke sich noch im Verborgenen in der Innenstadt befinden. Die alten Scheunen sind in der Altstadt zum größten Teil renovierungsbedürftig, aber die angrenzenden Grundstücke bieten ein beachtliches Potential. Das lässt nicht nur das Herz des Stadtplaners Jürgen Borkowski höher schlagen. Borkowski setzt sich übrigens dafür ein, vor der Erschließung eines neuen Baugebietes - etwa in der Nordstadt - erst einmal die Baulücken der Altstadt zu schließen. Ein positives Beispiel sei die Bebauung der Zwingertgasse, die der Gemeinderat vor kurzem auf den Weg gebracht hat.

Zu Borkowskis Philosophie gehört auch, die alten Tabakscheunen gewerblich und als Wohnfläche zu nutzen. Gut zu einer lebhaften Altstadt würden Arztpraxen, Steuerberater oder Versicherungen passen, findet Borkowski. Denn Ladenburg soll keine Museumsstadt werden, sondern eine lebhafte Wohngemeinde bleiben. Besonders reizvoll seien Wohnungen, die in alte Tabakscheunen eingebaut werden, beispielsweise das Anwesen "Markthalle". Die Teilnehmer warfen Blicke in attraktive Innenhöfe, wie die Gerberstiege und der Antoniushof, sowie den blühenden Jesuitenhof. In der ehemaligen Klosteranlage wohnen heute Familien, die sich mit der floristischen Ausschmückung ihrer Häuser und Gärten besonders viel Mühe geben. Die gärtnerischen Aspekte beim Rundgang erläuterte die beiden Gartenbau- und Pflanzenexperten Ina Große-Wilde und Werner Molitor.

In welch einer ruhigen, grünen Oase Menschen in der Innenstadt leben können machte ein Blick in das Anwesen Cronberger Hof deutlich. Hinter den Mauern der ehemaligen Zehntscheuer - hier ist heute die Seniorenbegegnungsstätte und Wohnstätte Löwenscheuer untergebracht - verbergen sich ebenfalls viele Überraschungen. Der Blick vom Dachboden auf die Stadt ist besonders schön.

Zum Abschluss des Rundgangs besichtigten die Teilnehmer noch einen Schwimmteich in der Oststadt. Eine Bilderserie zeigte, wie auf einem Gartengrundstück in 14 Tagen ein Badeteich entsteht. Die positiven Effekte: eine Steigerung der Lebensqualität und die Ansiedlung zahlreicher Tiere im eigenen Garten wie Wasservögel, Libellen, Molche und Frösche.

Weitere Führungen finden statt am 11. und 12. sowie 18. und 19. Juni; am 9. und 10. Juli, sowie 23. und 24. Juli. Samstags geht es um 11 Uhr und sonntags um 14 Uhr am Parkplatz am Graben los.

Datum: 09.06.2005

Verfasser: Axel Sturm

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