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[27.05.05, Ladenburger Zeitung] ›Die Römerstadt Ladenburg braucht keine Komplexe zu bekommen‹

"Beweise, wie weit die Römer Macht..." ist der Titel einer hochinteressanten Ausstellung, die als einer der Höhepunkte des Grünprojekts vom Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege, Prof.Dr.Dieter Planck, im Domhof der Stadt Ladenburg eröffnet wurde.
Die Ausstellung gilt als bedeutender Mosaikstein im " Römerjahr 2005", das den 55jährigen Forschungszeitraum der Römerepoche in den Mittelpunkt der Aktivitäten stellt.
Nach der Begrüßung durch das Stadtoberhaupt der Römerstadt, Rainer Ziegler, erläuterte der Chefarchäologe des Landes Baden Württemberg, wie sehr die Beschäftigung mit den Römern durch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen geprägt wurde.
Prof.Planck nutzte in Ladenburg jetzt schon die Gelegenheit, auf die große Landesausstellung, "Imperium Romanum", die ab dem 30.September in Stuttgart bzw. in Karlsruhe stattfinden wird, hinzuweisen.Doch auch die Römerstadt Ladenburg, mit ihrer geschichtsträchtigen römischen Vergangenheit, braucht keine Komplexe zu bekommen, wenn sie auf die in der Landeshauptstadt gezeigten Exponate blickt.
Nicht nur die im Foyer des Domhofes hervorragend präsentierte Ausstellung ist ein Beleg dafür, dass die Römer in Lopodunum Geschichte geschrieben haben. In der vom Ladenburger Stadtbildpfleger Dr.Heukemes errichteten Römerabteilung des Lobdengaumuseums sind ebenfalls zahlreiche wissenschaftliche Belege erbracht, welch eine Blütezeit durch die Römer in das Neckarstädtchen einkehrte.
Vor 550 Jahren begann in Deutschland die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Römern.
Humanistische Gelehrte widmeten sich der römischen Literatur und den Gelände gefundenen Inschriften.
Im 17. und 18.Jahrhundert gingen von den Fürstenhäusern wichtige Impulse aus und im 19.Jahrhundert waren es die neu gegründeten Geschichts- und Altertumsvereine, die sich mit der Aufarbeitung der Römergeschichte befassten.
An den Universitäten entstanden die ersten Ansätze provinzialrömischer Forschung, wobei die Gründung der Reichs-Limeskommisson von großer wissenschaftlicher Bedeutung war.

Heimatbund und die Gründung der Ladenburg-Komission waren ein Glücksfall

Prof.Planck war es in der Römerstadt eine besondere Freude, die beispielhafte Entwicklung einer Kleinstadt in Sachen Römererforschung aufzuzeigen.
Ein Glücksfall sei die Gründung des Heimatbundes gewesen, denn die damaligen Gründungsväter Wollenschläger, Seer, Sättele, Blaess, Darmstädter, Seel und Betz haben in der Tat eine Bürgerbewegung in Gang gebracht, die bis in die heutige Zeit Herausragendes für die Stadt geleistet hat. Einige Jahrzehnte zuvor erkannte bereits der Mannheimer Wissenschaftler Gropengießer, dass die römische Stadt weitaus größer gewesen sein musste als die mittelalterliche Stadt. Eindrucksvolle römische Bauten, wie die Marktbasilika oder das entstandene größte Schauspieltheater nördlich der Alpen sind Beweise dafür, dass Lopodunum eine ganz bedeutende Civitas gewesen sein muss.

Einen Glücksfall für die Wissenschaft nannte Prof.Planck die Entscheidung des jungen Dr.Heukemes, im Jahre 1949 die Römerstadt unter seine Fittiche zu nehmen.
Der Stadtbildpfleger brachte zahlreiche hochkarätige Funde ans Tageslicht, die beim Bau der Südstadt entdeckt wurden, wie z.B. das Sol-Mithras-Relief oder die Jupiter-Gigantensäule und nicht zu vergessen der berühmte Bronzeschatz, der beim Bau des Carl-Benz-Gymnasium entdeckt wurde. Ein Meilenstein sei in Ladenburg aber auch die Gründung der so genannten "Ladenburg-Kommission" gewesen. Der damalige Bürgermeister Reinhold Schulz hatte erkannt, dass die Kräfte zur Erforschung der Stadt gebündelt werden müssen.
Wissenschaftler der verschiedensten Bereiche (Bodendenkmalpflege, Stadtbildpflege), aber auch der Heimatbund und die Verwaltung arbeiteten konstruktiv zusammen.
"In diesem Gremium wurden zahlreiche kluge Beschlüsse gefasst", dankte Prof.Planck dem ebenfalls anwesenden Altbürgermeister, Reinhold Schulz, für seinen Weitblick und den Einsatz zur Erforschung der Vergangenheit Ladenburgs.
Die wichtigsten Funde der letzten 7 Jahre aus der Römerstadt Ladenburg stellte im Anschluss Dr. Britta Rabold vor, die seit dieser Zeit die Grabungsleitung in Ladenburg übernommen hat. Schon ihr Vorgänger, Dr.Sebastian Sommer, hätte zahlreiche wichtige Funde geborgen, so dass Dr. Rabold bedauernd feststellen musste " es blieb halt nicht mehr so viel übrig".
Trotzdem können sich die Erfolge der Wissenschaftlerin sehen lassen. Zwei in der Hadrianstrasse gefundene Kapitelle sind mit ihrem Namen ebenso verbunden wie die wissenschaftliche Auswertung der beiden entdeckten römischen Keller beim Bau des Auktionshauses. Der dort gefundene Jupiter-Gigantensäule sind jedenfalls von hoher Qualität.
Qualität, um Stöckelschuhe zu testen, hätte das Ladenburger Kopfsteinpflaster allemal, berichtete humorvoll die Leiterin des Landestreff und Vertreterin des Landes Baden Württemberg, Isabel Kling, der es vorbehalten war, die Grüße des Landes von der Landeshauptstadt Stuttgart nach Ladenburg zu überbringen. Der Schuhverbrauch der modebewussten Dame ist seit ihrem Engagement in Ladenburg jedenfalls sprunghaft angestiegen, wovon auch der hiesige Einzelhandel profitieren konnte.

Verfasser: Axel Sturm

Datum: 27.05.2005

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